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Langstrecken-Königin Tirunesh Dibaba hat in Berlin ein Ziel: Schneller laufen als je zuvor

12.09.2018

Olympia 2012: Gold über 10.000 m
© SCC EVENTS/PHOTORUN

 Langstrecken-Königin Tirunesh Dibaba hat in Berlin ein Ziel: Schneller laufen als je zuvor  Langstrecken-Königin Tirunesh Dibaba hat in Berlin ein Ziel: Schneller laufen als je zuvor

Die Äthiopierin Tirunesh Dibaba ist der Top-Star im Frauenfeld des BMW BERLIN-MARATHON 2018. Sie gewann serienweise Gold bei Olympischen Spielen (dreimal: 2008, 2012) und Weltmeisterschaften (fünfmal: 2003, 2005, 2007, 2013). Dazu kommen vier Titel bei Crosslauf-Weltmeisterschaften. Mit ihrer Bestzeit von 2:17:56 Stunden, erzielt beim Virgin Money London Marathon 2017 ist sie die drittschnellste Frau aller Zeiten über die klassische Distanz. In Berlin will Tirunesh Dibaba zumindest diese persönliche Bestzeit verbessern. Den Weltrekord hält die Britin Paula Radcliffe seit 2002 mit 2:15:25*.

Sie will sich nicht auf eine Zeit festlegen, aber eines ist klar: Tirunesh Dibaba will ihren Landesrekord von 2:17:56 Stunden vom letzten Jahr in London verbessern. Soviel lässt sich die 32-Jährige entlocken: «Ich möchte näher an Paula Radcliffes Weltrekord herankommen. Deshalb habe ich mich entschieden, in Berlin zu laufen. Berlin hat die schnellste Strecke und wird mir auch die besten Tempomacher zur Verfügung stellen.» In ihren vier Marathons habe sie noch nie gute «Pacer» gehabt. Im letzten April in London, wo Mary Keitany bei Temperaturen um die 20 Grad ein selbstmörderisches Tempo anschlug (67:16 min für die erste Hälfte; 46 Sekunden schneller als Radcliffe bei ihrem 2:15:25-Weltrekord vor 15 Jahren) war sie schon nach 16, 17 Kilometern alleine unterwegs. Nach 30 Kilometern gab sie entkräftet und frustriert auf.

Diesmal, wenn das Rennen ganz auf sie ausgerichtet wird, soll alles anders und besser werden. Doch Tirunesh Dibaba vertraut nicht nur auf Mark Milde und sein Team. Sie hat auch die Hausaufgaben gemacht. «Bei der WM in London lief ich ja noch die 10 000 Meter. Inzwischen habe ich meine Lehrzeit hinter mir und fühle mich ganz als Marathonläuferin», sagt sie und weist darauf hin, dass sie auch den Kilometerumfang gesteigert hat. In Addis Abeba trainiert sie meist in der Gruppe von Coach Haji Adilo, der auch Roza Dereje (Siegerin im Januar in Dubai) und Amane Gobena (Siegerin im Januar in Mumbai) angehören. Sie macht auch regelmäßig Krafttraining im Gym.

Im April 2014 wurde Tirunesh Dibaba in ihrem ersten Marathon in London Dritte in 2:20:35 Stunden. Zum Herbstmarathon in Chicago oder New York kam es nicht, weil sie inzwischen schwanger war. Im März 2015 kam ihr Sohn zur Welt, standesgemäß in einer Privatklinikl in Atlanta (USA). Denn Tirunesh Dibaba ist nicht einfach eine schnelle Läuferin, sie ist Äthiopiens erfolgreichste Athletin aller Zeiten, bewundert und verehrt, das Pendant zu Haile Gebrseassie. Sie ist Besitzerin eines elfstöckiges Geschäftshauses und eines Fünf-Sterne-Hotels und lebt in einem Prachthaus. Wie groß ihr Ansehen ist, zeigt auch die Tatsache, dass ihr die Universität von Addis Abeba ein Ehrendoktorat verliehen hat und ein Krankenhaus nach ihr benannt ist.

Und dann die Hochzeit im Oktober 2008 mit Sileshi Sihine, selbst ein zweifacher Olympia-Silbermedaillengewinner. So etwas hatte es in Äthiopien noch nie gegeben. Sie nannten sie die Hochzeit des Jahrtausends – in Anlehnung an die «Millennium Celebration», die in Äthiopien nach dem koptischen Kalender mit siebenjähriger Verspätung gefeiert wurde. Die Hochzeitskleider hatten Tirunesh und Sileshi in Mailand eingekauft, alles war vom Allerfeinsten. Die verschiedenen Feiern und Empfänge dauerten zehn Tage. Als das frisch vermählte Paar in einer Kutsche auf dem Meskel-Square im Zentrum von Addis Abeba vorfuhr, wurde es gemäß äthiopischen Berichten von rund einer halben Million Menschen erwartet. 

Tirunesh Dibaba ist die zweite der erfolgreichen Dibaba-Sisters. Die älteste, Ejegayehu, wurde 2004 in Athen Olympiazweite über 10 000 Meter. Genzebe ist im Moment das Nonplusultra auf den Mittelstrecken, und die 21-jährige Anna ist auch schon eine Läuferin. Dass alle laufen, hat auch mit Derartu Tulu zu tun. Die  Olympiasiegerin von 1992 und 2000 über 10 000 Meter ist die Cousine. Anna Dibaba spricht als einzige gut Englisch und hilft den Schwestern oft als Übersetzerin, so auch bei unserem Interview mit Tirunesh. Als sie bei der IAAF-Gala 2014 in Monaco erstmals dabei war, schrieb ein Beobachter auf der Internet-Plattform «LetsRun.com»: «Unglaublich, jede jüngere Schwester sieht besser aus als die ältere – und Tirunesh ist bereits umwerfend. Schade, dass die Eltern nicht weitergemacht haben.» Ihm und anderen sei gesagt: Es gibt noch eine jüngere Schwester: die 19-jährige Melat. Die fünf Dibaba-Sisters, aufgewachsen auf dem Land ohne Wasser und Strom zusammen mit Bruder Dejene, einem Marathonläufer, sind heute Äthiopiens Glamourgirls. Ein weiter Weg von Chefa bei Bekoji.

1999, als 14-Jährige, reiste Tirunesh in die Hauptstadt. Es war geplant, dass sie bei Schwester Elegayehu wohnen sollte und ihre Ausbildung an einer Mittelschule fortsetzt. Aber sie verpasste den Termin für die Einschreibung um ein paar Tage. Was tun? Zurück nach Bekoji wollte sie nicht, weil sie fürchtete, die Eltern würden sie in eine frühe Heirat zwingen, wie das im ländlichen Äthiopien üblich war. Also blieb sie in Addis. Sie wurde schließlich in den Sportklub der Gefängnis-Polizei aufgenommen. Und dann ging alles sehr schnell. Sie war noch keine 17, als sie bei der Cross-WM in Dublin im Rennen der Juniorinnen Silber holte, ein Jahr später gewann sie in Paris mit 17 Jahren und 333 Tagen als jüngste Weltmeisterin die 5000 Meter, und vor ihrem 20. Geburtstag war sie die erste Frau, die an einer WM Doppelsiegerin über 5000 und 10 000 Meter wurde. Inzwischen sind sechs Olympia- und 15-WM-Medaillen zusammengekommen, davon dreizehn in Gold. Dazu sieben Weltrekorde und zwei Weltbestleistungen auf der Straße.

In Berlin will die Super-Athletin mit dem Engelsgesicht ein weiteres Kapitel ihrer Erfolgsstory schreiben. Doch sie denkt auch bereits an Tokio 2020. Es wäre ihr vierter Olympiasieg auf drei verschiedenen Distanzen.

Jürg Wirz

*Bei den Frauen werden zwei Weltrekordlisten geführt: eine über Zeiten, die in Rennen erzielt werden, wo ausschließlich Frauen im Wettbewerb sind, sowie eine über Zeiten, wo ein gemischtes Feld unterwegs ist und männliche Tempomacher eingesetzt werden, wie dies in Berlin der Fall ist.

Detaillierte Infos und Statistik findet sich in unserem Media Guide

Dieser Beitrag steht auch im Programmheft zum BMW BERLIN-MARATHON 2018

Tirunesh Dibaba wird heute bei "Meet the Stars" um 18:30 Uhr in der Hall of Fame am Brandenburger Tor dem Publikum vorgestellt.

 


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